Weil sie ihrer heute fünfjährigen Tochter Lea Marie über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg unter anderem Säure eingeflößt und die Haut verbrüht hat, wurde die 27-jährige Mandy N. am 12. Januar vom Landgericht Rostock zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und einem Schmerzensgeld von 30.000 Euro verurteilt. Das Gericht sah die Tatbestände der Misshandlung von Schutzbefohlenen, der gefährlichen Körperverletzung und des Betruges als erwiesen an. Ihrem 30-jährigen Mann Tilo, der weinend bestritt, von den Taten gewusst zu haben, konnte nur nachgewiesen werden, dass er seine Tochter mit einem Teppichklopfer verprügelt hatte. Er erhielt deshalb wegen Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit wurde auf zwei Jahre festgesetzt. Sein Verteidiger will jedoch in Revision gehen.
Das Gericht blieb damit bei Mandy N. unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren beantragte. Die Verteidigung beantragte sechs Jahre und drei Monate Haft. Bei der Urteilsverkündung war der Richter voller Zorn und Abscheu gegen Mandy N., als er die Urteilsbegründung vortrug. Nach Überzeugung des Gerichts handelte Mandy N. aus egoistischen Gründen und reiner Geldgier. Dabei sei sie kalkuliert vorgegangen. Es wurde von der Kammer als „unbegreiflich“ bezeichnet, dass niemand etwas gemerkt haben wollte.
Mandy N. hat nach Überzeugung des Gerichts in 24 Fällen über vier Jahre hinweg ihrer Tochter unter Anwendung von Gewalt ätzende Haushaltsreiniger verabreicht und einmal das Kind mit heißem Wasser verbrüht, um Versicherungsgeld zu erhalten. Die kleine Lea Marie wird Gutachten zufolge niemals gesund werden und dauerhaft entstellt bleiben.
Die Staatsanwaltschaft warf Mandy N. vor, ihre Tochter Lea Marie in insgesamt 31 Fällen über vier Jahre hinweg gequält, misshandelt und in Lebensgefahr gebracht zu haben. Tilo N. wurde angeklagt, da er von den Taten gewusst, aber nichts unternommen haben soll.
Der Angeklagte Tilo N. bestritt den ihm zur Last gelegten Vorwurf vehement. Mandy N. räumte hingegen ein, ihrer Tochter in mehr als 20 Fällen unter Anwendung von Gewalt Essigsäure und Kalkreiniger eingeflößt zu haben. Im Februar 2003, als Lea Marie 15 Monate alt war, verbrühte die Mutter ihre Tochter in der Badewanne mit heißem Wasser aus einem Kocher und stellte dies als Unfall hin, um eine Versicherungssumme von 864 Euro zu erhalten. Das Geld nutzte sie nach ihren Angaben, um Kleidung und Spielzeug für Lea Marie zu kaufen. Mandy N. gestand ebenfalls, ihre Tochter in mehreren Fällen mit einem Teppichklopfer geschlagen zu haben, als diese nicht habe einschlafen wollen. Dennoch behauptete sie, ihre Tochter zu lieben. Ein Motiv für die Taten nannte die Angeklagte nicht. Sie gab nur an, Lea Marie sei anstrengend gewesen und die Tage, als Lea Marie im Krankenhaus war, ruhevoll. Mandy N. sagte aus, sie habe sich überfordert gefühlt.
Lea Marie musste nicht vor Gericht aussagen. Stattdessen wurde ihre Vernehmung auf Video aufgezeichnet und im Gerichtssaal durch Abspielen in Augenschein genommen.